Dossier – Bürgerbus Kerken 2024–2026

Chronologie, Akteure und politische Entwicklung

Stand: Juli 2026


1. Ausgangslage

Die Gemeinde Kerken verfügt insbesondere in kleineren Ortsteilen über ein eingeschränktes ÖPNV-Angebot. Vor diesem Hintergrund entstand 2024 die Initiative zur Einrichtung eines Bürgerbusses.

Initiator des Projektes ist Jürgen Rauscher, der gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen den Bürgerbusverein Kerken e.V. gründete.

Von Beginn an wurde das Projekt gemeinsam mit

  • der Gemeinde Kerken,
  • der NIAG,
  • dem Landesverband Pro Bürgerbus NRW,
  • sowie dem Bürgerbusverein Kalkar

entwickelt.

Ziel war die Ergänzung – nicht der Ersatz – des bestehenden Linienverkehrs.


2. Phase I – Bürgerinitiative (Frühjahr/Sommer 2024)

Webermarkt

Im Mai 2024 stellte die Initiative den Bürgerbus erstmals öffentlich auf dem Webermarkt vor.

Bereits dort zeigte sich ein großes Interesse der Bevölkerung.

Die ersten Unterstützer sowie ehrenamtliche Fahrer meldeten sich.


Erste Bürgerinformationsveranstaltung

Im Juni 2024 fand die erste öffentliche Informationsveranstaltung statt.

Schwerpunkte:

  • Vorstellung des Bürgerbuskonzeptes
  • Vorteile für Kerken
  • Gewinnung weiterer Ehrenamtlicher
  • Diskussion erster Streckenideen

Bereits damals wurde deutlich, dass das Projekt auf ein ehrenamtliches Fundament gestellt werden sollte. (Bürgerbus Kerken)


Zweite Informationsveranstaltung

Im August 2024 folgte eine zweite Bürgerinformation.

Mitwirkende:

  • Landesverband Pro Bürgerbus NRW
  • Bürgerbusverein Kalkar
  • Initiator Jürgen Rauscher

Die Veranstaltung diente der weiteren Konkretisierung des Projektes.

Ziel war eine möglichst breite Beteiligung der Bürgerschaft. (LokalKlick.eu)


3. Phase II – Vereinsgründung und Projektaufbau (Herbst 2024)

In den folgenden Monaten entwickelte sich aus der Initiative ein strukturierter Verein.

Der Bürgerbusverein übernahm insbesondere

  • Mitgliedergewinnung,
  • Öffentlichkeitsarbeit,
  • Fahrergewinnung,
  • Kontaktpflege zur Politik,
  • Abstimmung mit Verwaltung und NIAG.

Der Verein war auf

  • Herbstmarkt,
  • Adventsmarkt,
  • weiteren Veranstaltungen

mit Informationsständen vertreten.

Parallel wurden dem Gemeinderat erste Konzepte vorgestellt. (Bürgerbus Kerken)


4. Phase III – Fachliche Planung (2025)

2025 stand ganz im Zeichen der Umsetzung.

Gutachten

Die Gemeinde beauftragte ein Fachgutachten.

Gemeinsam mit dem Gutachter wurden

  • mögliche Linien,
  • Haltestellen,
  • Fahrzeiten,
  • Wirtschaftlichkeit

überprüft.

Der Vorstand fuhr gemeinsam mit dem Gutachter die geplanten Strecken ab.

Nach Aussagen des Gutachters bestanden gute Chancen auf einen Betriebsbeginn im Jahr 2026. (Niederrhein Nachrichten)


Öffentlichkeitsarbeit

Der Verein informierte fortlaufend über

  • Veranstaltungen,
  • Planungsstand,
  • Fahrergewinnung,
  • Vereinsentwicklung.

Die Kommunikation verlief überwiegend transparent und öffentlich. (Bürgerbus Kerken)


5. Ehrenamtliche Entwicklung

Besonders bemerkenswert:

Bereits vor einer politischen Entscheidung konnten

  • zahlreiche Mitglieder,
  • mehr als zwanzig ehrenamtliche Fahrer,
  • weitere Unterstützer

gewonnen werden.

Nach Aussagen verschiedener Bürgerbusvereine stellt gerade die Fahrergewinnung häufig die größte Herausforderung dar.

Dieses Problem schien in Kerken bereits weitgehend gelöst.


6. Phase IV – Politische Diskussion (2026)

Im Laufe des Jahres 2026 änderte sich die politische Stimmung.

Während Verwaltung und Verein weiterhin von einer Umsetzung ausgingen, äußerten mehrere Ratsfraktionen zunehmend Zweifel.

Im Mittelpunkt standen:

  • Wirtschaftlichkeit
  • dauerhafte Zuschüsse
  • Fahrgastprognosen
  • langfristige Belastungen des Gemeindehaushalts.

7. Stellungnahme von CDU, SPD und Grünen

Nach Veröffentlichung ihrer gemeinsamen Erklärung wurde deutlich, dass die drei Fraktionen das Projekt nicht mehr unterstützen.

Die wesentlichen Argumente:

  • zu hohe Folgekosten,
  • wirtschaftliche Risiken,
  • Zweifel an den Fahrgastzahlen,
  • fehlende Überzeugung hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses.

Damit verlor das Projekt seine politische Mehrheit.


8. Reaktion des Bürgerbusvereins

Der Verein zeigte sich enttäuscht.

Insbesondere wurde betont,

  • dass über zwei Jahre hinweg umfangreiche Informationsangebote bestanden,
  • sämtliche Fragen beantwortet worden seien,
  • die Politik jederzeit eingebunden gewesen sei,
  • das Ehrenamt nun erheblich enttäuscht werde.

Nach Ansicht des Vereins wurden viele Einwände bereits im Rahmen des Gutachtens beantwortet.


9. Stellungnahme der BVK

Die Bürgervereinigung Kerken positionierte sich klar gegen die Ablehnung.

Ihre Kernaussagen:

  • Der Bürgerbus sei eine große Chance für Kerken.
  • Besonders kleinere Ortsteile würden profitieren.
  • Die Anfangskosten seien bei Bürgerbusprojekten üblich.
  • Erfolgreiche Projekte benötigten mehrere Jahre bis zur vollständigen Etablierung.
  • Das Ehrenamt verdiene Anerkennung.
  • Die vorhandene Zahl freiwilliger Fahrer sei ein großer Vorteil.
  • Ein 120-Minuten-Takt stelle gegenüber dem heutigen Angebot bereits eine deutliche Verbesserung dar.
  • Eine Ablehnung würde das Projekt voraussichtlich dauerhaft beenden.

10. Sachliche Bewertung der Argumente

Argumente der Befürworter

  • Verbesserung der Mobilität
  • Ergänzung des ÖPNV
  • bessere Anbindung der Ortsteile
  • Förderung des Ehrenamtes
  • soziale Teilhabe
  • Unterstützung älterer Menschen
  • vorhandene Fahrer
  • transparente Projektentwicklung

Argumente der Gegner

  • laufende Zuschüsse
  • ungewisse Fahrgastzahlen
  • Wirtschaftlichkeit
  • Haushaltsbelastung
  • langfristige Finanzierung
  • Zweifel an der tatsächlichen Nachfrage

11. Besondere Leistung des Bürgerbusvereins

Unabhängig von der politischen Bewertung lässt sich feststellen:

Der Verein hat innerhalb von rund zwei Jahren

  • einen eingetragenen Verein aufgebaut,
  • zahlreiche Mitglieder gewonnen,
  • ehrenamtliche Fahrer gefunden,
  • intensive Öffentlichkeitsarbeit geleistet,
  • mehrere Informationsveranstaltungen organisiert,
  • Politik und Verwaltung eingebunden,
  • ein Gutachten begleitet,
  • eine mögliche Linienführung entwickelt.

Diese organisatorische Leistung wird auch in der Presse überwiegend positiv dargestellt. (Niederrhein Nachrichten)


12. Aktuelle Situation (Juli 2026)

Mit der Ratssitzung am 15. Juli 2026 steht die entscheidende politische Abstimmung bevor.

Sollte CDU, SPD und Grüne ihre angekündigte Position beibehalten, gilt das Bürgerbusprojekt nach Einschätzung vieler Beteiligter als gescheitert.

Damit würde eine über zwei Jahre aufgebaute ehrenamtliche Initiative beendet, bevor der erste Bürgerbus überhaupt den Betrieb aufnehmen konnte.


Fazit

Das Projekt “Bürgerbus Kerken” entwickelte sich von einer engagierten Bürgerinitiative zu einem fachlich vorbereiteten Mobilitätsprojekt mit breiter ehrenamtlicher Unterstützung.

Während die organisatorische Vorbereitung überwiegend positiv bewertet wurde, verlagerte sich die politische Diskussion zunehmend auf Fragen der Finanzierung und Wirtschaftlichkeit.

Die aktuelle Debatte ist daher weniger eine Auseinandersetzung über das Engagement des Bürgerbusvereins als vielmehr über die kommunalpolitische Prioritätensetzung zwischen zusätzlicher Mobilität im ländlichen Raum und den damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen.